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"Beethoven geht vorüber" (1970) Charakterstück für Klavier; "Alle Neune" (2021) Musik von Ludwig van Beethoven; "Zeilen" (Heiligenstädter Testament) aus "Raritäten für Interpreten"Zurück


Autor: Gerhard Rühm, Ludwig van Beethoven; Urs Peter Schneider
Aufführungen: jeden Freitag im Oktober 2021 ab 22:00 Uhr


Beschreibung:

… Beethoven befand sich im Irrtum, und sein Einfluss, der ebenso
ausgedehnt wie beklagenswert ist, war für die Kunst der Musik tödlich …
John Cage

Am 16. XII 20 wurde Beethoven 250 Jahre alt. Kaum jemand weiß, dass er noch lebt, in Wien, in einer Dachkammer, völlig taub und halbblind, immer noch rüstig am Stock gehend. Das Wienerische hat er sich in der langen Zeit völlig anverwandelt, nicht nur das Positive, auch eher lästige, aufdringliche Züge, die ihm ja entgegenkommen. Er ist immer noch schwer krank, von
Schmerzen geplagt, die ihm (anders als früher) nun ein junger
(verkommener) Arzt mildern hilft, mit gelegentlichen Ibuprofen-Gaben oder einem Senfpflaster. Beethoven geht hie und da aus, niemand erkennt ihn, er ist den Wienern unsichtbar (als einer der Ihren). In der Musikalienhandlung, wo einst schon Haydn das Lehrbuch von C PH E Bach erstanden hatte, kauft Beethoven, lange Jahre schon, Partituren von Webern, Strawinsky, gar
Xenakis und Kelterborn. Im Jahre 1844 begann er mit der Arbeit an „Zehn neuen Bagatellen, op. 212“, einem Vorhaben, das so gründlich misslang, dass er erst heuer wieder damit sich beschäftigen mochte. Er hatte nach den letzten Streichquartetten nur noch für die Schublade, als tägliche Zerstreuung und Hirngymnastik komponiert; selbstkritisch, wie er war, bemerkte er das Aussterben seines Stils früher als seine zahllosen
Nachfolger – und zog seine Konsequenzen. Beethoven ist verarmt, er ist noch geiziger als in seiner relativen Frühzeit (bis 1827), noch immer zählt er Kaffeebohnen. Schon immer hatte er nur bis 8 zählen können (und z. T. müssen) – das sollte sich danach ändern. Einer vor kurzem besuchten Strawinsky-Aufführung vermochte er rhythmisch und melodisch ausgezeichnet zu folgen. Er kümmerte sich nicht um Akustisches, guckte aber genau hin, was Dirigenten und Musizierende gestisch produzierten. Wie unsereiner hatte er sogar etwas Spaß daran.
Urs Peter Schneider

„Mister Cage, würden Sie auch eine Sinfonie von Ludwig van Beethoven dirigieren?“
„Ja, aber alle 9 Sinfonien gleichzeitig.“

Weitere Informationen finden Sie hier [PDF].